Ausbildungsnavigator

Verzahnungsmodell Finsterwalde / Lauchhammer

Förderung passgenauer Wege von Jugendlichen mit heterogenen Zugangsvorraussetzungen in regionale Wirtschaftsbranchen als Beitrag zur Fachkräftesicherung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Entwickelt als "Verzahnungsmodell Finsterwalde / Lauchhammer" von der EEPL GmbH Finsterwalde, der Wequa GmbH Lauchhammer und mit Unterstützung der BASF Schwarzheide GmbH.

Förderung durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderung von Modellversuchen "Neue Wege in die duale Ausbildung - Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung".

Projektdauer: 01.04.2011 - 31.03.2014

Kooperationspartner

WEQUA GmbH, Am Werk 4b, 01979 Lauchhammer
Geschäftsführer: Dr. Bernd Rehahn Email an Dr. Rehahn

Wissenschaftliche Begleitung

Prof. Dr. Klaus Jenewein, Dr. Heidi Felsche und Dr. Bianca Lehmann

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Institut für Berufs- u. Betriebspädagogik
Zschokkestr. 32, 39104 Magdeburg

Der Modellversuch ist Teil des BIBB-Förderschwerpunktes „Neue Wege in die duale Ausbildung – Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung“. Bei dem Modellversuch geht es um eine passgenaue Verzahnung zwischen

  • Jugendlichen in der Schule, auf der Suche nach Ausbildung oder beim Einstieg in die Ausbildung – darunter auch solchen mit schwacher Motivation und Leistung
  • Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)
  • regionalen Angeboten der Berufsorientierung, Ausbildungsvorbereitung und Ausbildungsbegleitung.

Besonders für leistungsschwächere Jugendliche werden passgenaue Wege in die duale Ausbildung gesucht und als Modell entwickelt. Hierzu werden 90 Jugendliche in einem Pool erfasst und individuell begleitet. Gleichzeitig wird die Realisierung des Fachkräftebedarfes von KMU unterstützt. Insgesamt 40 KMUs werden hierzu konkrete Unterstützungen angeboten.

Die vorhandenen regionalen Angebote der Berufsorientierung und Ausbildungsvorbereitung (z.B. Berufseinstiegsbegleiter, Berufsberater, Angebote von Landkreis, Schulen und von Trägern der Berufsorientierung) werden systematisch erfasst.

Um die drei oben genannten Seiten regional besser zu verzahnen, entwickelt das Projekt Module, die den Kontext der regionalen Berufsorientierung und Berufsvorbereitung bereichern und das „Navigieren“ der Jugendlichen bis hin zum Ausbildungsplatz wirksam unterstützen. Folgende Module werden hierzu entwickelt und praktisch erprobt:

Modelskizze zum Projekt
Klicken zum Vergrößern

Kompetenzwerkstatt zur Berufsfindung

Mit den im Pool aufgenommen Jugendlichen werden in der Eingangsphase ausführliche Übungen durchgeführt, die ihre Stärken, Interessen und Neigungen für die Berufswahl feststellen. Sind die Stärken und Berufsneigungen der Jugendlichen festgestellt, können sie besser mit dem tatsächlichen Ausbildungsbedarf der Unternehmen verknüpft werden. Das Modell der Kompetenzwerkstatt ist vom Zukunftszentrum Tirol entwickelt und zertifiziert worden. Im Projekt Ausbildungsnavigator wird die Kompetenzwerkstatt mit allen Modulen verzahnt, bei denen Jugendliche an Ausbildung herangeführt werden, so zum Beispiel mit dem folgenden Modul:

Berufsorientierung in der Ganztagsschule

Das Pilotvorhaben entwickelte die EEPL gemeinsam mit der Oberschule Finsterwalde. Im Rahmen eines Konzepts der Ganztagsschule spielt die berufliche Frühorientierung eine wesentliche Rolle. Schüler beteiligen sich nach dem Schulunterricht an einer Arbeitsgemeinschaft in gewerblich-technischen Bereichen (Schwerpunkt Metall). Die Schüler werden im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft gezielt und passgenau mit ihren späteren potenziellen Ausbildungsunternehmen in Verbindung gebracht. Diese Unternehmen sind gleichzeitig Verbundpartner in der beruflichen Erstausbildung Metall sind (siehe unten). Das Modell ist ein Beispiel dafür, wie Lücken in der Berufsorientierung und Ausbildungsvorbereitung an den Oberschulen kreativ geschlossen und SchülerInnen auf konkrete Ausbildungsbedarfe der Unternehmen vorbereitet werden können.

Last-Minute-Angebote für SchülerInnen der 10. Klassen

Nicht alle Ausbildungsangebote sind bei der Arbeitsagentur und können von Berufsberatern empfohlen werden. Auf Grund unserer direkten Kontakte zu den Unternehmen können wir als Projekt weitergehende Angebote unterbreiten und Schüler ohne Ausbildungsplatz im letzten Halbjahr vor Schulabschluss mit Unternehmen zusammen führen: durch Gespräche mit KMU-Geschäftsführern und Azubis, durch Firmenbesichtigungen oder Ferienjobs. Wie immer beim Kontakt mit Schülern, geht es zunächst um den Zugang beim Schulleiter, um Gespräche mit Schulsozialarbeitern, Lehrern, Eltern. Wenn das Umfeld aufgeschlossen ist, wird der Zugang zu den Schülern leichter.

OSZ-Schüler ohne Ausbildungsplatz

Praktikumstage in wechselnden Unternehmen. Die Oberstufenzentren in den beiden Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz führen im Rahmen der Berufsschulpflicht bis zum 18. Lebensjahr SchülerInnen, die die Schule abgeschlossen, aber noch keine Ausbildung begonnen haben. Das Projekt Ausbildungsnavigator bietet diesen Jugendlichen – ausgehend von den Ergebnissen der Kompetenzwerkstatt – Praktikumstage jeweils in mehreren Unternehmen der gewünschten Berufsrichtung an. Die Unternehmen  sehen es gern, weil sie auf diese Weise potenzielle Ausbildungsbewerber kennen lernen können. Mindestens 10 Jugendliche wurden bereits in solche Unternehmenspraktika vermittelt und dort weiter begleitet.

Kennenlern-Angebote für Jugendliche und KMU

Unternehmen brauchen nicht viel Zeit, um festzustellen, ob ein Jugendlicher als Azubi zu ihnen passen würde … und sie haben auch keine Zeit. Deshalb hat es sich als gutes Instrument bewährt, Kennenlern-Angebote zwischen KMU und Jugendlichen zu vermitteln. Wir verbinden dieses Angebot mit den beiden vorgenannten Modulen (Last-Minute-Angebote 10. Klasse und OSZ-Schüler ohne Ausbildungsplatz). Manchmal sind es nur drei Tage – es können drei Wochen oder mehr daraus werden. Am Ende ist der Weg für eine Ausbildung beim Unternehmen geöffnet oder es wird ein neues Kennenlern-Angebot ermöglicht.

Verbundpartner berufliche Erstausbildung Metallberufe

Die Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz (EEPL) – Träger des Modellversuches – moderiert das Netzwerk Metall- und Elektroindustrie Südbrandenburg. Hieraus entstand die Erfahrung, dass sich viele der vernetzten Unternehmen an Ausbildungsaufgaben beteiligen würden, wenn ihnen Aufgaben der Grundausbildung abgenommen werden.

Die EEPL übernahm daher Elemente der Grundausbildung. Nicht nur das erste, sondern mittlerweile auch das zweite Lehrjahr werden damit abgedeckt. Die ausbildenden KMU sind bereits bei der beruflichen Frühorientierung dabei und natürlich bei der Ausbildung vom 1. Jahr an. Sie übernehmen dann aber vor allem fach- und unternehmensspezifische Ausbildungsmodule ab 3. Lehrjahr. 15 Azubis werden auf diesem Wege bereits in die Ausbildung eingeführt. Ohne diese Unterstützung hätten die meisten der beteiligten KMU nicht den Weg der Ausbildung beschritten.

Modulare Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe

Unser Verbundpartner WEQUA im Projekt Ausbildungsnavigator entwickelt für Jugendliche ohne Ausbildung einen Modulbaukasten für den Ausbildungsberuf „Fachkraft im Gastgewerbe“.  Mit der Möglichkeit einer späteren Facharbeiterprüfung können die Jugendlichen 13 einzelne Ausbildungsmodule absolvieren, die nach dem Rahmenlehrplan ausgerichtet und durch die IHK anerkannt sind. Nach Teilnahme an allen Modulen können sich die Jugendlichen zur Facharbeiterprüfung anmelden.

Da der Ausbildungsbedarf im Gastgewerbe größer geworden ist, bietet die WEQUA erstmals ihr Leistungsspektrum auch im Rahmen von Verbundausbildung an – ebenfalls ein neuer Weg in der Region, um Jugendliche mit heterogenen Zugangsvoraussetzungen zu einem Facharbeiterabschluss zu befähigen.

Infoblatt

Hier haben wir Ihnen das Infoblatt zum Projekt als PDF zum Download bereitgestellt.

Infoblatt als PDF downloaden